Kulimu fährt Rad
1. Tag: Freitag, 13. Sept., 15 Uhr.
Der Schulparkplatz in Frankenburg ist vollgekotzt mit dem großen und dem
kleinen Einmal Eins. Hin und wieder schleppt sich eine im Biologieunterricht
gemarterte Kröte hilfesuchend durch den angrenzenden Park. Verkrampft herumstehende
Schüler singen um ihren Direktor zu imponieren das Lied von der Glocke.
Beachvolleyballer pritschen, titschen, baggern und buddeln im Sand, denn vom
Volleyball spielen haben sie keine Ahnung. Der Schulbrunnen plätschert
trübsinnig vor sich hin und der milde Herbstwind wimmert leise "Scheiße".
Und
da mitten hinein in das Bild des Jammers platzten die KulimuInnen auf ihren
Harley Davidson Fahrrädern, angeführt von Jo Pedalo Wadl.
Ihm folgte Anni S., die in Jamaika eine Voodooschule führt.
Näheres über ihre Zauberkünste folgt noch.
Dicht dahinter kam Watsch K.,dem eine schwere Radnabe auf den
Steiß gefallen war. Gejagt wurde er von seiner langjährigen Freundin
Elisa. Sie trug um den Kopf einen Rosenkranz anstatt eines Stirnbandes.
Ihr schwarzes wallendes Haar leuchtete im Herbstnachmittaglicht wie ein Feuerball.
An ihrem Hinterrad klebte angstvoll Raimondo, der auf seinem diesjährigen
Himalaya Trip dem Yeti begegnet war. Seither steckt er seine Yeti Tante immer
in ein Bärenkostüm und steigt mit ihr jedes Wochenende auf den Traunstein.
Bei ihrem Anblick sollen schon einige ahnunslose Bergwanderer dem Irrsinn verfallen
sein.
Im Windschatten von Raimondo malträtierte Puffi ihre Pedale.
Franz hechelte hinterher und Margarete Jo Pedalos
Frau saß wie versteinert auf ihrem Fahradsattel. Nur die Beine bewegten
sich bienenfleißig auf und ab.
"Bremsen", schrie Jo Pedalo. Dann stieg wie bei der Papstwahl weißer
dichter Rauch auf. Umhüllte die KulimuInnen und breitete sich über
den ganzen Schulparkplatz aus.
Es roch nach Erlösung, nach traumseliger Magie.
Und tatsächlich: In der weißen klebrigen Bremsbrühe tauchten
wie von Geisterhand herbeigeholt Mike und Sabine
auf, denn beide waren bis jetzt zu Hause auf dem Fahradergometer gesessen. "Dem
Wunder sei Dank", brummte Jo Pedalo, denn nun konnte der Radausflug
zu den Flachgauer Seen beginnen.
Zügig wurden die Fahrräder verladen. Leider passierte Franz ein Missgeschick
dabei, das nur alle paar Jahrhunderte einmal vorkommt.
Er stürzte auf das Rücklicht, das sich vom Kotflügel löste,
in seine rechte Augenhöhle drang, dort zu leuchten anfing und eine unerklärliche
Verbindung zur Fahrradglocke auf seinem Rad herstellte.
Aber nicht die Glocke auf dem Rad begann zu läuten, sondern Franz klingelte
bei jedem Schritt am ganzen Körper. Gleichzeitig blinkte das Rücklicht
im rechten Auge schelmisch. Sein rechtes Auge hatte sich mittlerweile auf seinem
Hinterkopf festgesetzt, wo es unaufhörlich auf und zu ging.
Na ja, Doktor war keiner in der Nähe und so verpackte ihn Margarete in
Watte, setzte ihn bei Watsch auf den Beifahrersitz und ab ging die Post nach
Mattsee.
Die
Unterkunft, das Hotel "Zum Moorbad" lag am Rande eines seit
Menschengedenken geheimnisumwitterten Moores. Unkeusche Elfen pinseln sich dort
an ungeraden Stunden den Bauch rot an. Laszive Gnome treiben mit jeder Art von
Kniescheiben Unzucht. Faune singen satanische Lieder. Unwiderstehliche Hexen
reiten auf unbeschreibliche Art ihre Besen. In den Netzen der rehäugigen
Feen wurde das Schicksal vieler Männer besiegelt.
Gott sei Dank hatten wir Anna S. mit, denn gegen den faulen Zauber der Moormenschen
waren wir durch ihre Voodoozauberkünste geschützt.
So hatten wir für die Geschichten des Wirtes nur ein müdes Lächeln
übrig. Nur Puffi, die beim Grenzgang durch ihren elastischen Zehengang
aufgefallen war, wurde käsebleich. Wer jetzt glaubt, "Aha, schlechtes
Gewissen", der verspielt Haus und Hof. Nein Puffi hat ein ganz sensibles
Näschen für Käsearomen. Und da es rund um den Mattsee ausgedehnte
Quargelfelder gibt und auch gerade Quargelbauern die Ernte einbrachten, war
es selbstverständlich, dass ihre Nase den Duft der Reife an ihr Bleichzentrum
im Gehirn weiterleitete.
Als Elisa Franz von seiner Watte befreite und der Wirt, er war beleibe ein stattlicher
Mann, das blinkende Rücklicht in seinem rechten Auge und das rechte Auge
auf seinem Hinterkopf sah, trieb es ihm den Schweiß des Ungläubigen
auf die Stirn.
Als dann noch Franzens Körper die Melodie "I ride my Bycicle"
klingelte, kam ihm sein Moor als Märchentruhe vor.
Doch egal ob Moorzauber oder Voodookunst, Jo Pedalo Wadl bewahrte kühlen
Kopf. Beherzt entschied er, Franz müsste bei den heutigen Etappe rund um
den Grabensee aus sicherheitstechnischen Gründen an die Spitze der KulimuInnen
fahren: Als lebende Klingel.
Auf die Frage warum er als Rücklicht vorne fahren muss, wusste auch er
keine Antwort.
(NEU 16.10.2002)
Die Pedale waren in Schussstellung gebracht, Elisa hatte ihre Ohrläppchen
mit einem Ohrläppchenwärmer aus sardischer Schafwolle umhüllt,
ihr zartes Nasenspitzchen mit einem Nasenspitzenschoner versehen und Jo Pedalo
gab das Zeichen für den ersten Tritt ins Pedal.
Da sprang plötzlich mit einem mächtigen Satz ein Moorgnom unserer Voodookünstlerin, Anna auf die Schulter und deklamierte das Poem einer außergewöhnlichen Bärenjagd.
Seine Stimme zitterte als
er anhub:
Stutzerln krachen/ Jäger lachen
Wadlbeißen/ Hexenschmeißen
Biere schäumen/ Jäger träumen
Worte bumpern/ Stammtischsumpern
Pfeifenstopfen/ Schenkelklopfen
Ein lautes Hoch dem Hopfen
da wird es plötzlich still
die Wirtin sprach von Bill
Bill das war der Bär
hoch vom Norden kam er her
Gestern tatzte er ein Schaf
Das alles geschah im Schlaf
Nun Bauern vor den Ställen lauern
Kinder in den Ecken kauern
alle zittern, alle beben
Und der Pfarrer gab den Segen.
"Wir werden ihn erlegen, Vorbei ist's mit dem Hegen",
sprachen jetzt die Jäger laut.
Am nächsten morgen ging's hinaus
ein letzter Kuss der Braut.
Stutzerln krachen, Jägerlachen
nur nicht in die Hose machen.
Doch jeder Schuss verfehlt sein Ziel
Darüber lacht noch heute Bill.
Anna blieb von dieser poetischen Vortragskunst völlig
unbeeindruckt, drohte dem Moorgnom mit einem haitianischen Voodoobannfluch,
beutelte ihn von ihrer Schulter und wollte ihn ins Moor zurückstauben.
Doch Margarete erfasste ein großes Erbarmen und sie sprach: "Ach
du kleiner Gnom, du kannst mit mir im Gepäcksträger mitkommen".
Die Entscheidung sollte sich bei der Fahrt rund um den Grabensee noch von großem
Nutze erweisen.
Denn der Grabensee ist nämlich eine verwunschene räuberische Bestie,
die sich beim geringsten Fehltritt mit dem Pedal in dieselbe zurückverwandelt.
(NEU:
9.11.) Nun konnte Jo Pedalo mit der argentinischen Startflagge,
die er von einem syrischen Beduinen in Jerusalem im Tausch gegen einen zerfetzten
Tirolerhut erhalten hatte, das Zeichen für die erste Rolleretappe geben.
Mike nahm noch einen Schluck aus der selbstgebrauten Guaranabrühe. Sie
schmeckte nach Unkrautvertilgungssalz mit Huflattichzusatz. Puffi stellte ihre
Zehen auf, Watsch sattelte seinen Steiß mit einer ungarischen Gulaschwatte,
Lisa, die tief in ihrem Herzen zur kärntnerischen Melancholie neigt, stimmte
ein trauriges Karawankenvolkslied an. Der Text war eine Mischung aus kernigen
Weisheiten und verschrobenen Kärntner Sprichwörtern. Raimondo tauchte
seine Zigarette in eine Halbe Bier und trank sie in einem Zug leer. Anna flocht
sich ein haitianisches Knochengerüst in ihr Blondhaar. Sabine lächelte
den lauen Wind an und verdrückte eine Wurstsemmel.
Friedlich rollten wir die ersten Meter dahin und so konnte Jo Pedalo die Geschichte
des Grabensees erzählen:
Einst, in grauer Vorzeit war der Grabensee eine riesenhafte Amöbe, ein
Einzeller also, der sieben Rinnen, Töchter genannt, hatte.
Als der Wallersee, damals der König unter den Amöben, um die Hand
einer seiner Rinnen anhielt, verschluckte sich der Grabensee vor Glück.
Er musste sich übergeben und spie eine große Wassermenge in einen
Brunnen, der vor Schreck überquoll. Es bildete sich eine große Wasserlache,
die sofort zufror, da es mitten im Winter war und den Graben samt seinen Rinnen
sofort gefangen nahm.
Bebend
vor Zorn nahm es der Wallersee, der sich um seine Rinne betrogen sah zur Kenntnis.
Nicht ohne vorher eine unflätige Amöbenverwünschung aus zu sprechen.
So solle sich der Grabensee, sollte er jemals, wodurch auch immer, zum Leben
erweckt werden, in ein alles verschlingendes Fritattensuppenmonster verwandeln.
Seine Töchter hingegen, diese bildhübschen Amöben dürften
sich bei der Wiedererweckung, natürlich nur bis auf seine, wohlgesinnten
Freiern in unumschränkter Liebe hingeben.
Raimondo, der sich gerade auf Brautschau befand, hörte das mit Aufmerksamkeit
und schon begann er blödsinnig auf seinen Pedalen herum zu treten.
Als das der Moorgnom sah, der es sich in Gretes Gepäckstreter gemütlich
gemacht hatte, stieß er den erschrockenen Schrei "Wicht, mach das
nicht", aus.
Raimondo hörte nicht auf ihn. Nein im Gegenteil. Noch blödsinniger
trat er auf die Pedale und nahm ungezügelte Schlucke aus seinem isotonisch
aufbereitetem Bier.
Noch lachte die Herbstsonne gütig, doch vom Grabensee her hörte man
schon ein leichtes Grollen.
Schaumwellen zirpten auf dem See. Drei Gluckenten steckten verschreckt den Kopf
ins Wasser und der Moorgnompoet find an zu rezitieren:
Damen ohne Namen,
heilen keine Lahmen,
sie sagten auch nicht Amen,
als sie in die Hölle kamen,
Nein, sie ritten auf Kamelen,
durch die Dardanellen,
drehten ihre Hüften auf parfumierten Düften,
schwebten mit den Fischen zu unbekannten Nischen,
sie tanzten auf den Sternen verletzten sich mit Kernen,
denn Damen ohne Namen säen keine Samen,
Nein, sie pflücken Gürtelrosen die an die Winterfenster tosen,
sie sitzen auf Terrassen,
warten auf den Mann mit vollen Kassen,
einen Gnom wie mich
finden sie sehr lächerlich, sie spielen nicht mit mir,
sondern Schach und Fuchs und Henne
doch ich keine bei ihren Namen nenne.
Du Amöbe in dem Graben
ich fürchte keine Raben,
bleib bei deinen Rinnen,
erklimme keine Zinnen.
Da wurde
es auffällig still, das Grollen hörte auf, die Sonne schien wieder,
nur Raimondo war übel gelaunt.Er fürchtete
um die Chance, eine der sechs verzauberten Rinnen zu freien.
Nur für kurze Zeit konnte er sich seiner Übellaunigkeit hingeben,
denn schon stand die erste Bergwertung bevor.
Mike verdrückte noch schnell eine original Innviertler Knackwurst, Sabine
eine Wurstsemmel, Franz besprengte seine Glatze mit einem extra aus Jordanien
mitgebrachten Eukalyptussaft, der die Oberschenkelmuskulatur binnen Windeseile
wachsen lässt, Watsch fiel vor Schreck fast vom Rad, Lisa rief kärntnerische
Kampfparolen, wie "Lei, Lei, ich bin dabei", oder, "Loß
ned lafen, sondern tu treten, dos is bessa, ois beten", Anna polsterte
ihre Radfahrerhose mit einem haitianischen Senfkraut auf, Raimondo haute sich
die Stromgitarre auf den Schädel, und Jo Pedalo goss sizilianisches Olivenöl
auf Pedal und Fahrradkette.
Dann ging es los.
Mike ging, gedopt durch die Pfefferknacker, auf den ersten Metern in Führung.
Schnaubend wie ein Flusspferd fiel er nach zehn Metern auf Platz zwei zurück.
Seine Schwäche ausnützend und angetrieben von den martialischen Schreien
des Moorgnoms peitschte sich Grete an die Spitze. Sie hatte nämlich auf
ihren Gepäcksträger auch einen Ochsenziemer eingebaut, der bei jedem
Tritt auf ihren Rücken niedersauste. "Klatsch, klatsch", hallte
es durch das Obertrumer Seenland.
Raimondo zockelte im Mittelfeld lustlos herum. Als das Senfkraut in Anna ' s
Hose zu brennen begann, haute er sich wiederum seine Stromgitarre auf den Schädel,
was natürlich gegen den Brand nichts ausrichtete. Erst als Franz einen
halben Liter vom Eukalyptusöl in ihre Hose schüttete, gab es Entwarnung.
Den Zwischenfall schamlos ausnützend hatte sich Lisa an die erste Stelle
geschoben. "Ich und Kärnten san lei oans", reif sie übermütig.
Doch Übermut tut selten gut, denn schon hallte es wieder "KLATSCH,
KLATSCH" und Grete war vorne.
Sabine fuhr taktisch und hängte sich in Joe Pedalos Windschatten, der sich
seine Hose schon mit Olivenöl befleckt hatte. Puffi, die bis jetzt die
rote Laterne inne gehabt hatte, spitzte ihre Zehen und startete eine Aufholjagd.
Franz verkühlte sich bei einem schnellen Antritt seine Glatze. Mike hatte
sich wieder an die Spitze gepirscht. Doch vor dem Ziel hallte es "Klatsch,
Klatsch" durch das Land und Grete gewann mit minimalen Vorsprung vor Anna,
welcher das heiße Senfkraut noch ordentlich eingeheizt hatte, die Bergetappe.
Mehr oder weniger schnaufend hatten alle das Ziel erreicht.
Nur
Watsch fehlte. Plötzlich tauchte er auf. Beide Unterschenkel hatten sich
in den Speichen des Vorderrades verfangen und so hüpfte er saltoschlagend
über die Ziellinie. Zerdepscht sein Kopf, zerfetzt die ungarische Gulaschwatte
über dem Steiß, ein Bild des Grauens. Nur mit einer kärntnerischen
Krautsalbe konnte Lisa seinen Schmerz lindern.
Jubilierend stimmte der Moorgnom ein Poem an:
Meine Alma heißt Mater
sie hat einen Kater
doch keinen Vater
der war ein Pater.
Du bist die Grete
eine Nette
wenn ich so eine hätte
hing ich nicht an der Kette
sondern da wär ich ein Dolm
der gerade steht am Holm.
Drum Grete nimm meine Kappe
die nicht ist aus Pappe
jetzt ein letzter Hieb
und ein Hoch auf den Sieg.
Noch
einmal sauste der Ochsenziemer auf Gretes Rücken nieder. Die Bäume
lispelten ängstlich. Doch schon stiegen die Schlaraffen aus dem Grabensee
an Land. Sie schleppten Eimer voll Wein und Fässer voll Bier mit sich.
Die Schlaraffen sind im Gegensatz zu den bis zur Geschmacksstumpfsinnigkeit
indoktrinierten Gourmets wahre Kenner des Genusses. Sie sind himmlische Boten
der Deftigkeit, Rastellis des Würzens, Lichtgestalten der Kochkunst und
unbestechlich in ihrem Urteil.
Mit ihnen kamen auch die Zirpen , die sofort mit dem Grillen anfingen. Die Zirpen
sind echte Hexenmeister des Grillens. In manchen Sommernächten begrillen
sie ganze Landstriche. Unermüdlich. Hingebungsvoll.
Schlaraffen und Zirpen richteten also das Radfahrermahl
an. Mein lieber Schwan, da stoben Düfte durch die Luft, da prasselte es
nach Herzenslust, da lief einem das Wasser aus dem Mund und der Magen weitete
sich, sein Pförtner leckte sich die Lippen, und der Dünndarm fing
bedenklich an zu schlingern.
In Watschen ' s ramponierten Körper kehrten die Lebensgeister zurück,
Anna holte das durchnässte, haitianische Senfkraut aus der Hose hervor.
Erschrocken wichen die Zirpen und Schlaraffen zurück. Hämisch lachte
der Moorgnom.
Puffi schickte ihre Zehen auf Wanderschaft.
"Kommt mir aber bald zurück", rief sie ihnen nach. Zehenlos ließ
sie sich ins Gras fallen, baumelte mit der Seele, verzehrte eine Hagebutte,
die ihr Lisa geschenkt hatte, die ihrerseits wieder ihrem dressierten Floh die
Leviten las, ihm das Flohhaar schnitt, seine Flohbeine massierte und ihm ein
Flohschlummerlied vorsang.
Jo Pedalo zerbrach sich seinen Kopf über der Fahrradwanderkarte. Wie in
Zeitlupe fiel zuerst seine Nase, dann die Wange und schließlich die Augenbraue
auf dieselbe.
Jetzt konnte nur mehr Anna ' s Voodoozauberkunst helfen.
Anna
holte ihre Voodooteigschüssel vom Gepäcksträger, und begann eine
geheimnisgetränkte Nebelsuppe zu mixen. Darunter mischte sie Jo Pedalos
abgefallene Nase, seine Augenbraue, und seine sich bereits zersetzende Wange.
Süßlicher Duft entwand sich der Schüssel, stieg hinan zu den
unschuldsweißen Schäfchenwölkchen, lockte einen Sonnenstrahl
in die Nebelsuppe, wo derselbige wie ein Sprudel umrührte. Für einen
Augenblick zeigte sich auch der griechische Gottvater Zeus wie er einen haitianischen
Schwan begattete. Und Siegesgöttin Nike lief in zerbeulten Turnschuhen
über das blaue Himmelszelt. Der zarte Duft der Nebelsuppe lockte auch einen
stockvertrottelten Gourmet an, der für die Kochkunst der Schlaraffen sofort
Hauben vergeben wollten. Als Anna das bemerkte, wurde sie fuchsteufelswild.
Sie biss ihm ins Ohr , hackte ihm den rechten Daumen ab, und stieß eine
Voodoozaubernadel durch seinen Bauchnabel. Schmerzgebeutelt schlich er von dannen.
Nie wieder wird er seinen perversen Geschmacksempfindungen in einem Gourmetbuch
niederschreiben.
Solche Verzögerungen bei der Heilung, hätten für Jo Pedalo den
totalen Gesichtsverlust bedeuten können. Doch gerade noch rechtzeitig tauchte
Anna seinen Kopf in die Nebelsuppe. Es brodelte, es zischte in der Schüssel.
Margarete richtete eine Stoßseufzer zu Zeus empor, der seine Begattung
beendet hatte, Siegesgöttin Nike stieg vom Himmel und setzte sich bei Franz
auf die Schultern, Puffi kitzelte ihre Zehen, die vom Schwammerlsuchen zurück
gekommen waren, Lisa träumte mit ihrem floh von Kärntner Kasnocken,
Raimondo trällerte "Are you lonesome tonight", und haute die
Stromgitarre ins Gras, Watsch schusterte seinen Steiß, der ihm schon wieder
aus dem Leim ging, Sabine strich sich ein Butterbrot, und Mike kettete sich
mit der Fahrradkette an sein Fahrrad.
Denn alle waren gespannt, ob Jo Pedalo' s Heilung klappen könnte.
Es waren Momente wie die Ewigkeit, bis sein Gesicht aus der Nebelsuppe auftauchte.,
schemenhaft und triefend nass.
Dann schüttelte er den Kopf acht Mal nach links und dreimal nach rechts
und es war als ob ein Wunder geschehen war.
Seine Nase saß wieder an seinem alten Platz, straffer und schöner
als je zuvor, seine Augenbraue war so buschig und dicht wie eine Tannenwald
geworden, seine Wange strahlte in Hademar' s Bankhofer Gesundheits- Apostel-Rosa.
Margarete, seine Frau war bei seinem Anblick ganz damisch vor Freude, sie steckte
den Kopf in den Schotter und rief: "Oh Jo wie bin ich froh".
Mittlerweile hatten Zirpen und Schlaraffen das Radfahrermahl fertig gegrillt
und baten zu Tisch.
